Emily Dickinson Porträt

Das Leben der Emily Dickinson

10.12.1830 - 15. Mai 1886, Amherst, Massachusetts

Emily Elizabeth Dickinson wurde am Freitag, den 10. Dezember 1830 um 17:00 Uhr in Amherst, Massachusetts, geboren. Dort verstarb sie auch am Samstag, den 15. Mai 1886, kurz vor 18:00 Uhr. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten US-amerikanischen Dichterinnen. Ihr Werk, das erst 1890 posthum veröffentlicht wurde, besticht durch eine stilistische Modernität, die das 20. Jahrhundert bereits weit vorwegnahm.

Dickinson verbrachte ihr gesamtes Leben in ihrer Geburtsstadt Amherst in einer angesehenen calvinistischen Familie. Ihr Vater, Edward Dickinson, war als Rechtsanwalt und Kongressabgeordneter tätig. Nach ihrer Ausbildung an der Amherst Academy (1834–1847) besuchte sie das Mount Holyoke Female Seminary. Trotz ihrer offensichtlichen Intelligenz verließ sie die Schule nach nur einem Jahr, da sie physisch und psychisch anfällig war und unter depressiven Phasen litt.

Ab 1850 entwickelte sie eine Vorliebe für weiße Kleidung und zog sich zunehmend in die Einsamkeit ihres Zimmers zurück. Sie galt als menschenscheu, empfing kaum Besucher und pflegte persönliche Kontakte fast ausschließlich zu ihrer Schwester Lavinia, ihrem Bruder Austin und dessen Frau Susan. Zu Thomas Wentworth Higginson, dem späteren Herausgeber ihrer Werke, unterhielt sie eine jahrelange Briefkorrespondenz, begegnete ihm jedoch in all der Zeit nur zweimal persönlich.

"Obwohl Emily Dickinson fast ihr ganzes Leben in ihrem Haus verbrachte, ist ihr lyrisches Werk von enormer Weite geprägt. Ihr begrenzter Erfahrungsradius hat ihr Schaffen nicht eingeschränkt, sondern gefördert: Mittels ihrer Einbildungskraft verwandelte sie ihre überschaubare Welt in ein Universum."

Ihre fruchtbarste Schaffensphase lag zwischen 1860 und 1870, war jedoch von Krankheit und Vereinsamung überschattet. Von ihren insgesamt 1.775 Gedichten wurden zu Lebzeiten nur sieben veröffentlicht – meist in Briefen an Freunde und Verwandte. Die Interpretation ihres Werkes ist komplex, da keine autorisierte Endfassung vorliegt; viele Texte existieren als Entwürfe, die von Herausgebern als „semifinal draughts“ bezeichnet werden.

Die erste Veröffentlichung einer Auswahl im Jahr 1890 durch Higginson und Todd war geprägt von massiven redaktionellen Eingriffen, um die als „sperrig“ empfundenen Texte dem damaligen Zeitgeschmack anzupassen. Erst die kritische Gesamtausgabe von Thomas H. Johnson aus dem Jahr 1955 folgt getreu den Originalmanuskripten und gilt heute als Standardwerk.

Emily Dickinson verstarb im Mai 1886 an einem Nierenleiden. Ihre letzten überlieferten Worte fassen ihr Leben in der Stille und den Übergang ins Unbekannte poetisch zusammen:

"I must go in, for the fog is rising."